Prozessschema

Projektschema_GesundesJugendzentrum-001-001Folgende Erläuterungen sind als Prozessergebnisse des Modelprojektes zu verstehen und dienen dem besseren Verständnis des Prozessschemas. Die Einbettung von gesundheitsförderlichen Angeboten und Strukturen ist als Prozess zu verstehen, der begleitet und gesteuert werden muss. Eine Übersicht über einen idealtypischen Prozess zur Implementierung eines bestimmten Schwerpunktthemas in die Offene Jugendarbeit Bamberg ist in der Abbildung ersichtlich. Die Erläuterungen sind in einem ersten Schritt theoretisch gehalten. In den einzelnen Modulseiten und Modulbeiträge werden diese mit konkreten Beispielen gefüllt.

1. Analysephase:

In die Analysephase fallen Aktivitäten des fachlichen Austausches, der Ideengenerierung, der Sozialraumanalyse, der Zielgruppenbefragung, der Zielgruppeneinbindung und mehr an – je nach Modul und je nach Ausgangslage (IST-Stand der Angebote). In dieser Phase werden auch erste Angebotsentwicklungen mitgedacht, da in der Regel die Bedarfslage zu einzelnen Schwerpunktthemen schon z. T. bekannt und durch die Jugendarbeiter als Multiplikatoren (und einzelne Jugendliche/Peerleaders) geäußert werden kann.

Auswertung: Rückkopplungsschleifen sind zentral für die Bedarfsklärung. Sie suchen den Austausch mit und die Beteiligung der verschiedenen Beteiligten/Handlungsebenen (v.a. Jugendliche, Mitarbeiter). Die Auswertung der Ergebnisse der Analysephase (mit den Jugendlichen, mit den Mitarbeitern, mit den Kooperationspartnern) mündet in Entscheidungen für oder gegen konkrete Angebote (Neu- oder Weiterentwicklungen).

 

2. Erprobungsphase:

In der Erprobungsphase gilt es, priorisierte Ideen in eine erste Testphase überzuleiten. Aus der Ideensammlung wird ein erstes Angebot konzipiert und einmalig umgesetzt. So werden erste Erfahrungen mit den Angeboten und den Zielgruppen gemacht, die gut dokumentiert werden sollten. Die Angebotstestphase zieht sich in der Regel mindestens über einige Wochen oftmals sogar über Monate. Die Testphase ist zeitlich begrenzt mit klarem Endpunkt. Die Angebote haben Projektformat (d.h. das Angebot XY findet über sechs Wochen einmal die Woche im Jugendtreff XY statt). Auch hier sind Rückkopplungsschleifen wichtig, um zu vermeiden, dass wichtige Ergebnisse aus der Umsetzung oder aus der Dokumentation verloren gehen (und so das Angebot unausgereift bleibt). Austauschtreffen zur Ergebnissicherung müssen daher initiiert werden, um Änderungen vornehmen zu können. Mit Ende der Erprobungsphase startet die Weiterentwicklungsphase.

Auswertung: Die zweite Rückkopplungsschleife ist eng an die Dokumentation und die Erfahrungen in der direkten Arbeit der Erprobungsphase geknüpft. Hier können zusätzlich auch Zielgruppenbefragungen mit in die Bewertungsprozesse integriert werden. Es ist leider oftmals Praxis, dass durchgeführte Angebote nicht ausreichend reflektiert und weiterentwickelt werden und mit der Zeit die wichtigen Erkenntnisse vergessen werden. Eine Möglichkeit ist ein dokumentiertes Austauschtreffen zu einem konkreten Angebot/Projekt (Was war gut? Welche Angebotselemente sollten verändert werden? Welche Probleme und Fehler sind bei der Umsetzung entstanden? etc.).

 

3. Weiterentwicklungsphase:

Die Ergebnisse der zweiten Auswertung sind Ausgangspunkt für die (Weiter-)Entwicklung des Angebots. An dieser Stelle ist es oftmals sinnvoll, das Angebot in eine feste Struktur / bzw. in das Tagesgeschäft der Jugendarbeit zu integrieren (z.B. fest in die Wochenöffnungszeit integriert). Ergebnis der Auswertung kann aber auch sein, das Angebot weiterhin in einem Projektformat (unregelmäßige Umsetzung, zeitlich befristet, an konkreten Bedarf und/oder Jahreszeit orientiert) weiterzuführen. Beides gilt als Weiterentwicklung und hat zum Ergebnis eine Fortführung eines Angebots (oder eben eines Abbruchs / bzw. vorübergehenden Aufschubs) mit dem Ziel der inhaltlichen, strukturellen Verbesserung (“Verfeinerung”) des Angebots.

Auswertung: Der regelmäßige Austausch und weitere Rückkopplungsschleifen sind wichtig, um kontinuierlich Qualitätssicherungsinstrumente einzuführen (konkrete Zielsetzungen, Zielgruppenpräzisierung und -Priorisierung, Sammlung von Best-Practice-Erfahrungen, Öffentlichkeitsarbeit, Interventionen zu speziellen Problemlagen/Schwierigkeiten, Angebotsevaluation, etc.). Außerdem ist die ständige Bedarfsklärung permanent mitzudenken.

 

4. Etablierungsphase:

In der Standardisierungsphase werden die Angebote (oder die Erfahrungen) in einer verinnerlichten und festen Strukturen in der Jugendarbeit überführt. Sowohl Mitarbeiter als auch Jugendliche oder Sozialräume bewerten das Angebot XY als strukturell verankert. Diese Phase ist stark mit dem Verinnerlichungsprozess des Themas Gesundheitsförderung in der Jugendarbeit verknüpft und kann nicht terminiert werden. In dieser Phase geht es darum, dass Mitarbeiter (und auch Jugendliche) Bedarfe erkennen (oder äußern) und dann (wie von selbst), die Umsetzung eines passenden, bereits erprobten  Angebots in die Wege leiten. Gesundheitsförderliche Angebote sind dann zu einem festen und selbstverständlichen Bestandteil der fachlichen Arbeit geworden.

Leitlinien: Nach der Erprobung, Weiterentwicklung und Etablierung der gesundheitsförderlichen Angebote gilt es im Sinne einer Qualitätssicherung, Leitlinien für die Umsetzung des Angebots XY zu erstellen. Die Erprobung und Weiterentwicklung ist in der Regel an einzelne Mitarbeiter gekoppelt, die im konkreten Modul ihr Thema oder vor Ort in ihrer Einrichtung den Bedarf sehen. Um eine nachhaltige und mitarbeiterunabhängige Nutzung des Angebots zu ermöglichen, ist eine Erarbeitung von Leitlinien wichtig. Diese sind als Ergebnisse des Prozesses zu betrachten. Sie sind allerdings nicht als abgeschlossen zu bewerten, da eine permanente Weiterentwicklung immer möglich sein muss. Dies bedeutet, dass die Leitlinien als Orientierung im Umsetzungsprozess dienen, sie sind keine festen Regellisten. Trotzdem geben sie wichtige praktische Hinweise und Informationen (z.B.  Materiallisten, Stolpersteine oder pädagogische Rollen) für die Umsetzung. Es ist darüber hinaus zu beachten, dass Leitlinien immer möglichst kurz und einfach formuliert sind, damit eine niederschwellige Anwendung gewährt ist (lange und komplizierte Leitlinien liest sich niemand gerne durch).

 

Insgesamt dauert der Prozess von Analyse und Bedarfsklärung bis zu der Erarbeitung von Leitlinien 12-24 Monate. Für einzelne komplexe Themen kann sich dies auch länger hinziehen. Diese langfristige Orientierung der Entwicklungs- und Weiterentwicklungsarbeit verdeutlicht den Prozess-Charakter bei der Einführung und Umsetzung dieses Projektvorhabens. Dieser langfristige Prozess muss gesteuert, koordiniert und von Entscheidungsträgern und Leitungsverantwortlichen gewollt und gestützt werden.