Bedarfsklärung bzw. Bedarfssensibilität

Projektschema_GesundesJugendzentrum-AnalysephaseIn allen Modulen steht die Bedarfsklärung am Beginn eines Prozesses. Bei der Bedarfsklärung in der Offenen Jugendarbeit ist der klassische Weg einer Befragung der Jugendlichen leider oftmals wenig aussagekräftig. Jugendliche (und Erwachsene auch) tendieren dazu, sich das zu wünschen, was sie bereits kennen und schätzen gelernt haben. Über das Ausprobieren und die Handlung entsteht erst ein Bewusstsein und eine Bewertung bei den Jugendlichen. Daher ist Partizipation manchmal weniger offen, sondern vielmehr verdeckt zu organisieren, zumindest bei der Neuentwicklung von Angeboten (im Gegensatz zur Weiterentwicklung).

Deshalb empfehlen wir, bei der Bedarfsermittlung von einer Bedarfssensibiltät zu sprechen, welche auf verschiedenen Kanälen laufen sollte.

1.) Zielgruppenebene: Es ist wichtig, ein offenes Ohr für die Jugendlichen zu haben und ihre Wünsche ernst zu nehmen. Über eine gute Beziehungsarbeit tauchen bei jedem Jugendlichen unterschiedliche Angebotsoptionen auf, die im Sinne der Gruppe priorisiert werden müssen. In anderen Worten heißt das, dass einzelnen Bedürfnissen oder Bedarfen (in der Offenen Jugendarbeit zumindest) nicht entgegen gekommen werden muss. Wenn aber Tendenzen in der Gruppe heraus zu lesen sind, ist auf den Bedarf eher mit einem konkreten Angebot zu reagieren.

2.) Mitarbeiterebene: Lesen ist hier das richtige Stichwort. Die Anforderung, Bedarfe zu lesen, erfordert eine wichtige Kompetenz des Jugendarbeiters – die Bedarfssensibiltät. Hierbei ist der Blick sowohl auf den Einzelnen als auch auf die Gruppe notwendig. Der Kanadier David Hunt (1985) bezeichnet dies als „reading and flexing“. Dies ist eine wichtige pädagogische Schlüsselkompetenz in der Sozialen Arbeit. Mitarbeiter der Jugendarbeit müssen hier z.B. in Form von Schulungen, Interventionen oder Mitarbeitergesprächen unterstützt werden, um ihre Schlüsselkompetenzen weiterzuentwickeln.

3.) Sozialraumebene: Des Weiteren sind andere Institutionen im Stadtteil außerhalb des Jugendtreffs nicht außen vor zu lassen, da sie indirekt mit der Besucherstruktur des eigenen Treffs zusammen hängen. Schule, Familienstützpunkt, Sportvereine, etc. äußern ebenfalls Kooperationsbedarf, der auch gesehen und gelesen werden muss. Hat die Beteiligung am Stadtteilfest einen Mehrwert für meine Zielgruppe und meine Einrichtung? Gibt es Kooperationsprojekte mit Schulen, die die Schulen allein nicht leisten können, die aber Bedürfnisse der Zielgruppe abdecken? Die Vernetzungsarbeit ist aus unserer Sicht ebenfalls eine Schlüsselkompetenz der Jugendarbeit.

Die Aufgaben der Leitung in diesem Prozess sind, den Mitarbeiter zu unterstützen, den Blick auf alle Ebenen zu lenken und den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Die verschiedenen Ebenen schaffen Komplexität, die gelernt und gemeistert werden muss.